Das Jamboree - Weltpfadfindertreffen findet alle 4 Jahre an einem anderen Ort auf der Welt statt und ist Anlass für Pfadfinder aus der ganzen Welt gemeinsam ein großes Lager zu verbringen und gegenseitig von einander zu lernen und miteinander Spass zu haben.
2007 war ein ganz besonderes Jahr, da genau 100 Jahre früher Robert Baden-Powell die Pfadfinder in England auf der kleinen Insel Brownsea Island gegründet hat, indem er ein erstes Lager mit 20 Jungen veranstaltete.
Dies zu feiern und das Pfadfinderversprechen zu erneuern, das jeder Pfadfinder beim Beitritt leistet, war der Anlass für das große Jubiläumsjamboree. Dazu kamen ca. 45 000 Pfadfinder aus der ganzen Welt zusammen um gemeinsam zu feiern.
Ich meldete mich über die DPSG für das deutsche Kontingent an, da jedes Land nur eine begrenzte Anzahl an Teilnehmerplätzen zur Verfügung hat. Als Vorbereitung auf das Lager gab es zwei Helfertreffen für alle Helfer aus Deutschland, an denen ich aber aus Zeitgründen nicht teilnehmen konnte.
So flog ich im Sommer 2007 mit meinem kleinen Zelt nach England ohne irgendjemanden zu kennen und fand sehr schnell viele tolle neue Freunde...
Ich hatte mich entschlossen als Helfer (IST = International Service Team) auf das Lager zu fahren, da man als Teilnehmer zwischen 13 und 18 Jahre alt sein musste. Mein Arbeitsbereich war das Medical Team, die medizinische Versorgung der Teilnehmer auf dem Lager.
Da ein Lager in dieser Dimension nicht allein mit normalen Sanitätern auskommt, gab es ein richtiges kleines Gesundheitssystem auf dem Lagerplatz. Es gab Unterlagerkliniken, in denen Ersthelfer (First-Aider) für die kleineren Verletzungen und Probleme bereit standen. Außerdem waren dort auch teilweise Krankenpfleger/schwestern für größere Probleme. Wurde es richtig schlimm konnten die Teilnehmer in das Lagerkrankenhaus gehen, in dem viele Ärzte aus der ganzen Welt sich um die Probleme kümmerten. Es gab sogar ein eigenes Röntgengerät, einen eigenen Zahnarzt und eine Apotheke dort, alles betrieben von Pfadfindern. Wem es so schlecht ging, dass er nicht ins Krankenhaus gehen konnte für den gab es sogar einen eigenen Rettungsdienst mit zwei Krankenwägen, die die Teilnehmer aus den Unterlagern abholen konnten.
Ich hatte aber einen vergleichsweise entspannten Job als First-Aider. Jeden Tag arbeitete ich den halben Tag an einer anderen Stelle des riesigen Lagerplatzes mit anderen Pfadfindern aus der ganzen Welt und versorgte kleinere Schnittwunden oder Insektenstiche.
Das schöne an dieser Aufgabe war, dass ich das ganze Lagergelände zu sehen bekam, weil ich immer an einem anderen Ort eingesetzt wurde. Außerdem war ich auch zweimal auf dem Gelände außerhalb des Lagerplatzes - an einem großen See - wo alle möglichen Wasseraktivitäten wie Segeln, Surfen, Schwimmen etc. angeboten wurden. Toll war auch, dass ich immer wieder mit anderen Pfadfindern im Team zusammenarbeitete, von Schweden,Schweizern, Chinesen, Finnen, Österreichern, Amerikanern und Engländern... war alles dabei.
Bei den Großveranstaltungen (Eröffnung, Abschluss und die Scouting Sunrise Versprechensfeier) waren immer alle Helfer vom Medical Team im Einsatz, um direkt vor Ort Hilfe leisten zu können. Auf dem unteren Foto sieht man uns bei der Lagebesprechung vor der Scouting Sunrise Zeremonie...
Scouting Sunrise - Der Höhepunkt dieses Lagers. Am 01.08.2007 erneuerten alle Pfadfinder ihr Pfadfinderversprechen bei Sonnenaufgang (bzw. eher am Morgen). Stellvertretend für alle Teilnehmer durfte aus jedem Land ein Pfadfinder/Pfadfinderin auf Brownsea Island im Gedenken an das erste Lager von Baden Powell. Von dort gab es dann auch eine Live Übertragung auf den Lagerplatz sodass die restlichen 45 000 Pfadfinder auch an der Feierlichkeit teilhaben konnten.
Dieser Tag war sehr besonders... jeder bekam dafür ein extra gelbes Halstuch auf dem man dann andere Pfadfinder unterschreiben lassen konnte.
Auf dem Lager lernte ich in dieser Zeit auch unglaublich viele tolle Menschen aus der ganzen Welt kennen. Abends spielten wir im Helferdorft immer lustige Mitmachspiele mit Pfadfinder aus aller Welt. Besonders guten Kontakt hatte ich zu einigen portugiesischen Pfadfindern, einem Italiener und einem Amerikaner. Die Portugiesen habe ich danach sogar noch mit meiner Pfadfindergruppe besucht.
Generell war das Jamboree eine außergewöhnliche und tolle Erfahrung, da alle Menschen dort unglaublich freundlich aufgeschlossen und hilfsbereit waren. Für mich hat sich dort der Spruch Baden Powells bestätigt:
" Ein Pfadfinder ist der Freund aller Menschen und Bruder aller Pfadfinder"
In diesem Sinne, Gut Pfad
Tobi - Stamm Pfarrkirchen